Bauwahn in Dalian

_DSC4045 Ich war um das schlechte Wetter in Dalian sehr froh. 10 Grad und Nebel waren zwar nicht gerade angenehm, aber dafür begegneten wir vermutlich nur halb so vielen Menschen, wie bei 30 Grad und Sonnenschein. Nach dem Tag in Anshan war das auch genau das Richtige. Trotz des tristen Wetters entging mir nicht, dass diese Stadt ein sehr angenehmes chinesisch-maritimes Flair besitzt. Auch die reiche Oberschicht scheint dies schon vor längerem gemerkt zu haben: In den schönen Vierteln näher am Meer reihen sich Luxushotels und Villen aneinander. Die Stadt strotzt vor größenwahnsinnigen Bauprojekten. Nicht dass das in chinesischen Großstädten irgendwie besonders wäre, aber der Mix aus russischen, japanischen, europäischen und chinesischen Baustilen sticht doch heraus: Neben futuristischen Wolkenkratzern aus Glas stehen mittelalterlich anmutende Burghotels mit Wach- und Glockentürmchen. In den Meisten Fällen haben sich die Architekten in näherer Vergangenheit etwas abgeschaut, manchmal stammen die Gebäude tatsächlich noch aus der Kolonialzeit. Waren die meisten alten und neuen Bauwerke eine willkommene Abwechslung zum arg eintönigen betonlastigen Anblick Shenyangs, erlitt mein ästhetisches Empfinden beim Blick auf die Bucht der Stadt einen herben Magenschwinger. Der Horizont wird von einer gigantischen Baustelle verdeckt. Die gesamte Meerseite wird künftig von einer riesigen Brücke umringt, die das Verkehrschaos auf das Wasser hinaus verlagern soll. Statt eines unsichtbaren Tunnels hat man sich aber scheinbar für ein sichtbares Zeichen des Sieges des Menschen über die Natur entschieden. Umso gerechter scheint es da, dass letztere diese Bausünde zumindest für einige Stunden in dichtem Nebel versteckt hält. _DSC4036 _DSC4082 _DSC4077-Bearbeitet _DSC4108 _DSC4022 _DSC4196