Tag in der Stadt im Meer – Venedig Teil 2

  _DSC4412-Bearbeitet Fortsetzung von “Morgen in der Stadt im Meer – Venedig Teil 1”. [Auch wenn der erste Eintrag der Serie schon einige Zeit online steht und mein Besuch in Venedig schon etwas länger her ist ist, möchte ich meine Eindrücke der Sommertage in Venedig gerne mit euch teilen.] Kaum hat die Müllabfuhr den stinkenden Müll beseitigt, wird es laut. Die Touristen sind nun fertig mit ihrem Vormittagskaffee. Auf den Hauptstraßen beginnt das lärmende Treiben einer Stadt, die sich gänzlich den Besuchern aus aller Herren Länder verschrieben hat. Ich laufe ziellos durch die  Gassen, lasse mich vom Strom der Menschen treiben. Unversehens finde ich mich am Markusplatz wieder. Nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass dieser Platz eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Im Gegensatz zu den engen Gässchen und Brücken kann ich meine Arme von mir strecken, ohne andere Menschen zu berühren. Die aufgeregten Stimmen werden nicht von den Wänden zurückgeworfen, sie verklingen im weiten Raum. Ich fühle mich wohl. Aus dem Schatten der Bogengänge heraus schaue ich den Touristen zu. Es herrscht keine Hektik. Sie beobachten, füttern Tauben, lauschen der Musik der Musikkapellen vor den drei bekanntesten Cafés der Stadt und fotografieren (hauptsächlich die Tauben oder sich selbst). Insgesamt fünf Stunden verbringe ich an diesem zentralen Ort der Stadt. Wäre ich ein Regisseur oder Dramaturg, ich hätte eine Quelle an unerschöpflicher Inspiration gefunden. So genieße ich eben als Zuschauer die Aufführung eines Meisterstücks menschlicher Begegungen mit internationaler Besetzung. Nur leider besitze ich nicht genügend Geld, um mich unbegrenzt lange an diesem sündhaft teuren Ort niederzulassen. _DSC4781 _DSC4906 _DSC4690   _DSC4961 _DSC4913 _DSC4694 _DSC4487 _DSC5766 Etwas abseits der Hauptstraßen treffe ich schnell auf Einheimische. Sie kennen den Weg um den Touristenstrom herum. Und sie kennen auch die ruhigen Ecken Venedigs, die Orte, wo sich nur wenige Auswertige hin verirren. Man mag es kaum glauben, aber nur wenige Meter vom Gequetsche auf der Rialtobrücke entfernt bietet sich dem fündigen Entdecker ein einsamer Blick auf den Canal Grande und die bekannteste Brücke Europas. Auf diesen Steg, der über kleine Gässchen zwischen Wohnbauten hindurch aufs Wasser hinaus führt, haben sich nur ein Maler und ein Fischreiher platziert. Einige Koreaner schippern in venezianischen Gondeln vorbei. Ein Akkordeon summt, ein kleiner Italiener schmettert inbrünstig die letzten Töne eines italienischen Schlagers. Die Koreaner klatschen artig, knipsen Selfies und filmen. In der Nachmittagshitze lasse ich mich zurücktreiben zu meinem Hostel. Auf dem Weg dorthin merke ich deutlich, wie sehr meine Sinne mit jedem Schritt weiter ermatten. So schön die Kulisse auch sein mag, die Masse an Menschen und die fülle an Ereignissen darin machen den Tag zur Herausforderung für Geist und Körper. _DSC5555 _DSC4540

Letzte Gelegenheit

Wer den Vortrag “29 Tage auf der Suche nach Freiheit” über meine Reise von München nach Venedig noch nicht sehen konnte, hat morgen noch einmal die Gelegenheit dazu. Auf Einladung der KHG Eichstätt werde ich ihn dort zum vierten und (vorerst) letzten Mal halten. Ich freue mich schon sehr darauf, wieder von meinen Erfahrungen berichten zu können und meine Begeisterung für diese Art des Reisens mit Euch zu teilen. Wer nicht kommen kann, aber trotzdem Interesse an meinen Erzählungen hat: Auf diesem Blog habe ich bereits einige Reiseberichte zu München-Venedig veröffentlicht. Werbeplakat_Eichstätt

Morgen in der Stadt im Meer – Venedig Teil 1

_DSC4281 Schon bevor ich meine Augen öffne, spüre ich die Stadt. Das Fenster steht offen, ich rieche das Meersalz und die Abgase der vorbeifahrenden Boote. Möwen kreischen, Wellen klatschen an die Promenade, Schiffsmotoren tuckern. Es ist unheimlich laut. Aber es ist etwas anderes, das mich am Morgen nach einer anstrengenden Reise in einer fremden Stadt schon um sieben Uhr Morgens aus den Federn holt. Irgendwo im Schlafsaal surrt beständig ein Wecker. Ich öffne die Augen. Der Wecker gehört meinem Bettnachbarn. Er schnorchelt kurz und dreht sich um, der Störenfried waltet weiter seines Amtes. Soll ich ihn aufwecken? Nein, das hat keinen Sinn. Einschlafen kann ich sowieso nicht mehr, außerdem werde ich zu Hause noch genug Zeit im Bett verbringen können. Raus aus den Federn, mit der Kamera in der Hand verlasse ich auf Zehenspitzen das Zimmer. Frühstück gibt es erst ab halb neun, also schnell raus vor die Tür. Die Uferpromenade liegt verlassen. Ein paar Möwen hacken auf Müllsäcken herum und schnappen nach Tauben. Einige Meter weiter sehe ich Müllmänner schwarze Säcke auf verrostete Kähne laden. Wieder steigt mir eine Mischung aus verbranntem Schiffsdiesel und Abfallgestank in die Nase. Ein Vaporetto legt an und eine Handvoll Einheimische steigt aus. Sie sind ohne Eile auf dem Weg zur Arbeit. Morgennebel liegt über der Stadt. Ich laufe weit die Promenade hinunter bis zu einer Landzunge mit Blick auf die Lagune, Campanile und einige Kirchtürme. Alle spielen verstecken in den Wolken. Die einzelnen Sonnenstrahlen geben auf den sanften Wellen ein beeindruckendes Lichtspiel zum Besten. Aus der Ferne winken die Masten der Segelboote zu mir herüber. Auf dem Weg zurück zum Hostel erwacht die Stadt. Der Nebel verzieht sich und die ersten Touristen mischen sich unter das arbeitende Volk. Bald wird es vorbei sein mit der Ruhe. Auch ein paar Studenten sind schon wach. Ob es wohl schön ist, auf Dauer hier zu leben und zu studieren? Morgens bestimmt. _DSC4302 _DSC5163 _DSC5157 _DSC5200 _DSC5194 _DSC5565 _DSC4372 _DSC4354

Vom Ankommen – München Venedig Teil 3

_DSC2857 Ankommen kann man bekanntlich nicht nur Ende einer ganzen Reise, sondern auch am Etappenziel. Jeden Abend hatte ich ein kleines Ziel erreicht und war dem großen wieder ein Stück näher. Letzteres war jedoch nicht ausnahmslos eine schöne Erfahrung. Da gab es zum Beispiel die LIzumer Hütte zwei Tagesmärsche hinter Innsbruck. Äußerlich sehr modern und einladend, innerlich behaust vom unfreundlichsten Hüttenwirt, an dessen Tisch ich jemals gegessen habe. Wäre die nächste Hütte nicht noch vier oder fünf Stunden weit weg, hätte ich mir ernsthaft überlegt, eine Extraschicht einzulegen. Ein andermal war ich ungefähr auf der Hälfte des Weges, kurz hinter der Grenze zu Italien. Ich hatte mit meinen Freunden den zweiten Neunstundentag in Folge hinter mich gebracht und erlitt gerade eine leichte Form des Lagerkollers. Die letzten zehn Nächte hatte ich mit vielen anderen Menschen auf engstem Raum und auf Lagerbetten geschlafen. An diesem Abend erwischte ich einen scheußlichen Stapel alter, gammliger Matratzen als Schlafplatz. Irgendwer blockierte schon wieder die Dusche und saubere Wäsche hatte ich auch keine mehr zum anziehen. Erschöpft und schweigsam saß ich im Zimmer herum und starrte in den Spiegel an einem alten Schrank. Ich betrachtete mein Gesicht. Die einzige Lampe im Zimmer beleuchtete es auf unheimliche Art und Weise. Meine Brille warf lange Schatten auf die Wangen. Meine eigenen Augen konnte ich nur erahnen. Sie verschwanden in dunklem Schwarz. Ich sah mir die Anstrengungen der vergangenen Tage deutlich an. “Das also bin ich. Hier bin ich jetzt”, kam es mir in den Sinn, “In Italien. Zu Fuß.” Unter die Erschöpfung mischte sich sofort eine gehörige Portion Stolz und Zufriedenheit. Ankommen kann man auch bei sich selbst. In der Regel ist das eine schöne Erfahrung. So geschehen zum Beispiel auf der letzten großen Erhebung vor dem Abstieg ins Flachland, dem Nevegal. Dort oben im hohen Gras war ich ganz allein mit meinen Gedanken, denn die Menschen der umliegenden Städte gehen anscheinend nicht gerne Bergsteigen. Ich hatte seit Wochen keine Tagesnachrichten mehr gelesen, seit Tagen keine SMS mehr bekommen und auch sonst war ich vom Leben in München mit all seinen Verpflichtungen sehr weit weg. In diesem Moment spürte ich eine innere Ruhe. Sie legte mir eine warme Hand auf den Rücken und leistete mir Gesellschaft. Auf der anderen Seite neben mir saß der Stolz. Er erzählte mir vom weiten Weg der letzten Wochen und klopfte mir dabei auf die Schulter. _DSC3712 Wenn man eine Etappe der Reise weglassen möchte, dann sollte man die letzte dafür wählen. Jesolo – Venedig ist mit Abstand die hässlichste Strecke der gesamten 555 km. Nicht mal das Wetter entschädigte mich für den Anblick der Hotelburgen, Autoschlangen, Sonnenschirme und Partyboote. Es entschied sich konsequenterweise zu Bewölkung. So war meine Ankunft weniger einem Triumphzug als einer Flucht vor nasskaltem Nieselregen. Fast wäre ich auf den nassen Steinstufen zur Piazza San Marco mitsamt Kamera und Rucksack in die Lagune von Venedig gefallen. Die Stadt hieß mich nicht auf Anhieb willkommen. Auch geistig hatte ich das Ende der Reise noch nicht begriffen. Eigentlich kannte ich das so nur von Reisen im Flugzeug, mit denen man einfach in ein paar Stunden zwischen völlig unterschiedlichen Welten hin und her springt. Noch Tage und Wochen später schwelge ich apathisch in Erinnerungen, weil ich meine Gedanken im Flugzeug auf tausende Kilometer abhänge. Obwohl meine Gedanken diesen Sommer sehr viel Zeit zum Mitreisen hatten, blieb die ungezügelte Freude über die lang ersehnte Ankunft aus. Nichtsdestotrotz: Ich war endlich da. Zeit wars. _DSC4130 _DSC4148 _DSC4155

Den Gedanken Raum geben – München Venedig Teil 2

_DSC2555-Bearbeitet _DSC2720 Abends setzte sich die Sonne gegen die Nachmittagsgewitter meist wieder durch. Dann konnte ich auf das Werk des Tages zurückblicken. Der frühe Abend war tatsächlich meist die ruhigste Zeit des Tages: Vormittags wurde marschiert, Mittags kam der Wettereinbruch, Nachmittags musste ich um ein gutes Lagerbett kämpfen und möglichst als einer der Ersten die (einzige) Dusche erobern. War das erledigt, war noch genügend Zeit bis zum Abendessen übrig. Nun konnte ich mich entweder mit Wegbegleitern unterhalten, oder mir ein ruhiges Plätzchen suchen und dort die Gedanken schweifen lassen. In diesen ruhigen Minuten staunte ich nicht selten über das, was da zu meinen Füßen lag. Mächtige Berge, steile Abhänge, karge Gipfel. Ehrfurcht, Stolz und Staunen mischten sich in mir und vergolten die Strapazen des Tages. Wie man unschwer aus den Bildern lesen kann, machte das in die Landschaft blicken einen beträchtlichen Teil nicht nur meines Tagesablaufs aus. Ich behaupte, dass es allen meinen Wegbegleitern so ging. Wer selbst schon mehrere Tage am Stück am Berg verbracht hat, der wird den Wert dieser Augenblicke zu schätzen wissen. Gerade auf dieser Reise musste ich mir bewusst Zeit für mich nehmen. Das mag zunächst äußerst merkwürdig klingen, denn objektiv betrachtet hatte ich mir fünf volle Wochen für mich selbst reserviert. Ereignisse, Gedanken und Gefühle konnte ich aber nur im Dialog mit mir selbst wirklich reflektieren. Besonders gut eignete sich dafür immer ein Platz mit Aussicht. Oder in extremen Fällen ein Tag, an dem ich (absichtlich) in Teilen oder komplett allein wanderte. Wenn man zusammen mit anderen in einer Gruppe unterwegs ist, wird viel kommuniziert, geplant, gelacht, gestritten, gesungen, diskutiert, erzählt und herumgealbert. Den Blick für sich, die eigenen Pläne und das, was einen so umgibt, verliert man dabei schnell. Natürlich fand ich es sehr schön, während dieser fünf Wochen nie einsam sein zu müssen. Ich habe es genossen, viele Menschen und deren Sichtweisen auf die Dinge kennen zu lernen. Manchmal war mir das allein Sein aber lieber. Allein sein heißt für mich frei sein. Im Freien kühlte es abends schnell ab, außerdem wurde das Abendessen serviert. Danach setzte ich nur noch in besonderen Fällen einen Fuß vor die Tür. Das heißt, falls die Wolken einen Blick auf einen der wenigen atemberaubenden Sonnenuntergänge zuließen, oder ein paar Sterne funkelten. _DSC3058 _DSC3081 _DSC3332  

29 Tage auf der Suche nach Freiheit – München Venedig Teil 1

_DSC2233 _DSC2663 Als ich Freunden und Bekannten von meinem Vorhaben erzählte, erntete ich viele skeptische Blicke. „Was machst Du?“ war meist die erste Reaktion auf die Schilderung meiner Urlaubspläne. „Nein, für mich wäre das nichts.“ dann die zweite. Bald merkte ich, dass in diesen Sätzen nicht nur Erstaunen mitschwang, sondern auch ein wenig Bewunderung für diesen Plan. Getragen waren sie trotzdem von einer gewissen Ungläubigkeit. Meine Gesprächspartner werden sich insgeheim gedacht haben: „Das glaube ich erst, wenn Du wieder zurück kommst.“ Tatsächlich spielte dieser Satz, den niemand wirklich aussprach, eine große Rolle, dass ich zu dieser Reise aufgebrochen bin. Es gibt wenige Dinge, die mir wichtiger sind, als meine Konsequenz. Wenn ich sage, dass ich etwas tue, dann möchte ich das auch umsetzen. Zumindest rede ich mir das hin und wieder ein. Tatsächlich kommt es öfters vor, dass ich mein Wort nicht halte. Aber ich gebe mir Mühe, vor allem bei solchen großen Dingen. Anfangs dachte ich, ich könnte jemanden finden, der mit mir geht. Zusammen mit ein oder zwei Freunden 30 Tage unterwegs zu sein, war für mich eine wundervolle Vorstellung. Aber je näher der Termin rückte, desto mehr vage Zusagen wandelten sich in konkrete Absagen. Als sich abzeichnete, dass ich diesen Weg alleine bestreiten müsste, hatte ich keine Wahl mehr. Alle Welt hatte ja schon erfahren, dass ich mir das in den Kopf gesetzt hatte. Mit der Zeit wuchs die Vorfreude – und meine Zweifel. „Hast Du nicht gelernt, dass man niemals allein in die Berge geht? Das ist gefährlich und unvernünftig!“, zwickte mich mein Gewissen. „Allein schaffst du das eh nicht.“ Am Ende gewann doch der Ehrgeiz, mein ständiger Begleiter: „Gerade wenn schon niemand mitgeht, dann wirst Du es allen beweisen, dass du das kannst.“, sprach er zu mir und packte zusätzlich zu den 12 Kilo Gepäck noch einen Schlafsack, eine Isomatte und eine 2,5 Kilo Kamera in den Rucksack. Damit es ja nicht zu leicht werden würde. Am Abend vor der Tour wog das Monstrum 16,5 Kilo. Entgegen aller Vernunft beließ ich es dabei, denn ich hatte ja schon angekündigt, dass ich auch unter freiem Himmel schlafen würde. Es muss ungefähr drei Jahre her sein, dass ich zum ersten Mal von dieser Tour hörte. Kürzere Mehrtagestouren hatte ich mit meiner Familie schon öfters bewältigt und diese Zeiten immer geliebt. Bergsteigen mit Menschen, die ich gerne habe, ist eine Sache, die mir sehr wichtig und lieb geworden ist. Zu den fünf Touren ganz oben auf der Liste zählen die zwei Dolomitenwochen mit meinen Eltern und meinem Bruder. Auch besonders in Erinnerung ist mir die Zweitagestour mit Deniz und Marius, zwei meiner besten Freunde, auf die Hochlandhütte bei Mittenwald geblieben. Die unangefochtene Nummer eins ist und bleibt die Notkarspitze im Sommer 2011 mit meinem Papa. Ich hatte gerade meine Abiturprüfungen hinter mich gebracht und wir konnten den Tag daher in vollen Zügen genießen, obwohl es ungemütlich kalt und nass war. Die Alpenüberquerung wollte ich eigentlich nie alleine bestreiten. Meine Motivation für diese Reise war daher immer die Aussicht, vier Wochen mit jemandem unterwegs zu sein, der meine Begeisterung für das Bergsteigen, für interessante und tiefe Gespräche auf Hüttenabenden, für meine Art des Laufens teilt. Natürlich war das immer ein wenig utopisch. Das weiß man hinterher natürlich besser. Wer mich besser kennt, der weiß, dass ich mich nicht gerne zu den untersten Äpfeln am Baum strecke. Die hoch oben scheinen mir immer besonders rot und saftig zu sein. Das mag hin und wieder zum Trugschluss werden, manchmal greife ich damit auch völlig daneben. Die Frucht München-Venedig rückte jedenfalls in weite Ferne, als sich niemand umstimmen ließ, mich zu begleiten. Ich hatte nun niemanden, der mir mit einer Räuberleiter beim Apfelpflücken helfen würde. Auch wenn man das heute nicht mehr so auf Anhieb glauben mag: Mir fiel es nie leicht, an unbekannte Menschen heranzutreten. Diese Aufgabe überließ ich meist den anderen. Ein gutes Beispiel ist dafür der Studienstart in Ingolstadt: Es dauerte über zweieinhalb Jahre, bis ich vollständig angekommen war und einen gefestigten Freundeskreis mein eigen nennen konnte. Gerade deswegen erkannte ich in dieser Reise die Möglichkeit, mich in kommunikativem Fingerspitzengefühl zu üben. An fremde Bergsteiger heranzutreten, konnte mir nun keiner mehr abnehmen. Neben alldem ist Bergsteigen ist für mich etwas sehr meditatives. Ich komme meinen Begleitern und vor allem mir selbst sehr nahe. Dabei gilt, je länger die Tour dauert, desto intensiver das Erlebnis. Unter freiem Himmel sind meine Gedanken frei, viel mehr als irgendwo anders auf dieser Welt. Der sehr einfache und immer gleiche Tagesablauf, die gleichmäßige Abfolge von Schritten, tiefes Ein- und Ausatmen, die Bergluft und nicht zuletzt die viele Zeit, in der man einfach nichts zu tun hat und nichts tun muss, führen automatisch dazu, dass man sich sehr mit sich selbst beschäftigt. Die Zeit vor meiner Abreise war vor geprägt von meiner Bachelorarbeit und einigen belastenden Gedanken. Nach ein paar Tagen und meditativen Stunden unterwegs wurde mir langsam klar, dass ich mich nach der Unbeschwertheit sehne. Ich merkte, im besten Fall schafft man es, sich dort oben im Gebirge von allen Aufgaben, Grübeleien, Alltagslasten und gesellschaftlichem Druck zu entziehen. Im besten Fall gelangt man inmitten einer überwältigenden Landschaft zu purer Freiheit. Es ist mir auf dieser Reise nicht gelungen, ganz dorthin zu kommen. Ich bin weder Buddhistischer Mönch noch gelernter Geistheiler oder Meister der Meditation, daher wäre das auch zu viel verlangt. Es gab jedoch einige Momente, in denen ich diesem Gefühl sehr nahe war. Im Nachhinein betrachtet, bildet die Suche nach Freiheit meinen roten Faden: Von dem Moment, als ich das erste Mal über München – Venedig nachdachte, durch die Vorbereitungszeit und besonders von Tag 1 zu 29. Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, der weiß, dass ich das Thema Freiheit nicht zum ersten Mal in die Hand nehme. Dahinter versteckt sich ein wichtiger Teil meiner Einstellung zum Leben alleine und mit anderen. Dazu ein andermal mehr. Ich hoffe, Du kannst beim Betrachten dieser Bilder etwas von dem nachfühlen, was ich in diesen Momenten empfunden habe. _DSC2414 _DSC2929 _DSC3789-Bearbeitet _DSC3783

Ein Lebenszeichen

_DSC5025 Ja, es gibt mich noch und ja ich habe es geschafft. Und ich bin auch gesund und munter wieder zurück. Es gibt also keinen Grund, sich über meinen Verbleib Sorgen zu machen, nur weil ich die letzten Wochen noch keine Fotografien veröffentlicht habe. Wobei das durchaus zu erwarten wäre, denn zu zeigen und zu erzählen gibt einiges. Ihr könnt sicher sein, mir brennt es genauso unter den Fingernägeln, wie den Neugierigsten unter Euch. Leider ist aber der Alltag der treueste Begleiter des Menschen, noch treuer als der Hund: Er kommt auch ohne Stöckchen wieder zurück. Daher nun hier zu dieser Zeit nur zwei Dinge: Zum einen freut es mich sehr, dass es viele Menschen gibt, die interessiert, was ich erlebt habe. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und Euer Interesse. Ich werde nur zu gern davon erzählen und hoffe, den ein oder anderen für diese Art des Reisens begeistern zu können. Alle, die einen persönlichen Erzählabend wünschen, werden ihn bekommen. Einer ist schon fix: Für Freunde und alle Interessierten in der KHG Ingolstadt am 22. Oktober. Bis dahin gibt es für mich noch viel zu tun. 3500 Fotos sortieren, auswählen und bearbeiten erledigt sich leider nicht von allein (Bitte nicht erschrecken: Ich werde nur die wichtigsten 50 bis 100 zeigen). Daneben muss ich mich auf eine Prüfung vorbereiten, arbeiten, das kommende Semester planen und natürlich diverse Fotoprojekte. Auch wenn es nur begrenzt zum Zeitvertreib bis Ende Oktober taugt: Derweil könnt ihr schonmal raten, was auf dem Bild zu sehen ist.  

Es wird Zeit!

_DSC2143 Jetzt ist es soweit. Schon seit letztem Freitag gehe ich meiner Familie auf die Nerven. Alles gepackt und geplant, eingekauft, abgeschlossen. Abmarschbereit. Eigentlich ist das untypisch für mich. Normalerweise richte ich meine Sachen erst auf den letzten Drücker. Es gibt nichts, was mich mehr langweilt, als Koffer packen. Das Urlaubsgefühl stellt sich immer erst in dem Moment ein, wenn ich das Auto auf die Autobahn steuern und gasgeben kann. Oder der Zug den ersten Ruckler macht. Noch vor einigen Jahren fuhren wir als Familie meist nachts los, um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen. Oft konnte ich dann in der Nacht bis zur Abfahrt vor Aufregung kein Auge zumachen. Erst, das gleichmäßige Brummen des Motors beruhigte mich wieder. Von meinem Platz hinter dem Fahrer schaute ich dann bis zum Morgengrauen aus dem Fenster und beobachtete Lichter, die in der Dunkelheit an mir vorbeihuschten. Auch heute noch fahre ich am liebsten Nachts in den Urlaub. Zu dieser Zeit ist Reisen viel weniger hektisch. Es sind weniger Menschen auf den Straßen, es ist ruhiger, angenehmer. So kann ich mich besser auf den Urlaub einstellen und im Dunkeln schonmal vor mich hinträumen, wie es am Zielort wohl aussehen wird. Jetzt ist es wirklich soweit. Seit zwei Jahren warte ich auf diesen Tag. Morgen wird es nicht dunkel sein, wenn ich um 8 Uhr am Marienplatz stehe, um von dort in Richtung Süden starte. Trotzdem werde ich auf dem Weg dorthin oft Zeit zum Träumen haben. Vielleicht zu oft, ich werde sehen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, nach meiner Rückkehr von meinem Abenteuer zu erzählen. Ich wünsche Euch einen schönen August.

München – Venedig: Vorfreude

Road to Venice Ich gebe zu, langsam werde ich nervös. Jetzt hat das große Packen begonnen. Es wird aber auch höchste Zeit. Ab morgen kann ich die Tage schon an einer Hand abzählen. Für dieses Abenteuer muss ich nicht erst in den Flieger steigen, mein Abenteuer beginnt direkt vor der Haustür. Besser gesagt ein paar Kilometer weiter östlich. In genau einer Woche werde ich die ersten Schritte auf dem Weg tun, der mich in 30 Tagen vom Marienplatz in München zum Markusplatz in Venedig führen wird. Eine der ersten Fragen der Menschen, denen ich von diesem Vorhaben erzählte war stets: “Warum machst Du das?”. In den letzten Wochen ertappte ich mich dann oft dabei, selbst nicht genau zu wissen, warum ich mir diesen Unfug in den Kopf gesetzt habe. Tatsächlich plane ich die Tour schon seit zwei Jahren, da ist mir irgendwann entfallen, wer oder was mich auf diese Idee gebracht hat. Und meine Motivation? Gute Frage… Mich reizt die Herausforderung. Das unglaublich große Gefühl das mich begleiten wird, wenn ich nach 30 Tagen den ersten Fuß auf die Steine des Markusplatzes setzen werde. Die hoffentlich inspirierenden Begegnungen auf der Reise. Natur und “Offline” sein. Ich möchte für 30 Tage aus meinem Leben ausbrechen. Übrigens: Wer einen Eindruck von meiner Route bekommen möchte, kann sich unter www.muenchenvenedig.de eine komplette Beschreibung durchlesen. _DSC2028