Fumin Sundown

_DSC3732 Zu Beginn meiner Zeit hier in China durfte ich an einer Willkommensveranstaltung für Praktikanten teilnehmen. Die chinesische Mangerin, die uns dort begrüßte, erzählte, sie wäre auch schon mal in München gewesen. Diese Stadt wäre zwar auch schön, sagte sie, aber Shenyang hätte auch sein eigenes Flair. Ich musste wirklich aufpassen, nicht laut loszuprusten. Zu dieser Zeit war es hier noch zwischen -20 und 0 Grad kalt. Der Himmel, der Boden, Autos, Hausmauern, Bäume, Sträucher, einfach alles war dreckig graubraun und die Luft stank jeden Morgen nach faulen Eiern. Ich konnte mir beim besten willen nicht vorstellen, dass man hier vor der Haustür auch nur annähernd etwas von schöner Atmosphäre verspüren würde. Vor ungefähr vier Wochen “regnete” es zum ersten Mal und zunächst kam auch nichts anderes vom Himmel, als brauner Schlamm. Trotzdem begann über Nacht der Kirschbaum vor unserem Haus zu blühen und es war, als hätte jemand mit dem Staubwischer sauber gemacht. Es dauerte noch weitere zwei Wochen. Mitte April war es, als hätte jemand auf Knopfdruck den Frühling angeschaltet. Innerhalb von drei Tagen waren sämtliche Bäume grün und die Temperaturen stiegen tagsüber auf 30 Grad. Vor ein paar Wochen noch hätte ich mir nicht träumen lassen, dass sich diese dreckige Industriestadt Shenyang auch noch von einer anderen Seite zeigen kann. Etwa 300 Meter vor meiner Haustür liegt ein Park am Ufer des Flusses, der sich durch die Stadt zieht. Hierher kommen wir nun regelmäßig, um ein Bier im Sonnenuntergang zu genießen. Europäisches Flair habe ich in der Stadt zwar noch nicht entdeckt, aber ich bin auch nicht in Paris, sondern auf einem anderen Kontinent in Shenyang. Wenn man bei der Auslegung des Wortes “Flair” die chinesische Perspektive berücksichtigt, scheint es, als hätte die Managerin doch recht gehabt. _DSC3613 _DSC3620 _DSC3632 _DSC3633 _DSC3716 _DSC3744-Bearbeitet