In the Streets

_DSC6187 Manchmal, vor allem, wenn ich meine Kamera schon lange nicht mehr zum Fotografieren in die Hände genommen habe, überkommt mich eine innere Unruhe. Meistens versuche ich zunächst, dem Kribbeln in meinen Fingern nachzugeben, indem ich meine Ausrüstung lange und intensiv begutachte, Staub entferne und Fotos auf dem Computer von einem Ordner in den anderen schiebe. Früher sah ich oft lange aus dem Fenster und überlegte, was ich als nächstes fotografieren könnte. Mein Blick schweifte über den wunderbar gepflegten Garten, verfolgte den ein oder anderen Vogel auf Futtersuche und blieb schließlich an der mächtigen grauen Wand der Grundschule gegenüber mit seinen riesigen schwarzen Fensteraugen hängen. Kein besonders inspirierender Anblick. Wen wundert es also, dass noch vor ein paar Jahren Blumen, die Insekten darauf und vereinzeltes Großstadtgetier, das dem Garten meiner Großeltern einen Besuch abstattete, meine Hauptfotoobjekte waren. Später, als mir Blumen, Blüten und Grashalme nur noch als Trainingsobjekte reichten, fuhr ich hin und wieder in die Stadt und sah mich dort um. Wie die Blicke der meisten Menschen, glitt auch meiner von Bauwerk zu Bauwerk. Von Rathaus zur Marienkirche, von Odeonsplatz zu Hofgarten. Da Münchens Skyline an imposanten Türmen und nicht besonders viele zu bieten hat, wurde die Innenstadt bald uninteressant. Zu unrecht. Was viele Menschen mit Fotoausrüstung auf Urlaubsreisen und auch auf Ausflügen in ihren eigenen Städten übersehen, sind die Menschen dort. Es klingt blöd, aber auch mir versperrten die Passanten in der Neuhauser Straße zunächst nur den Blick auf Karlstor und co. Wer aber im Internet nach “Rathaus München” sucht, bekommt viele Bilder aus allen möglichen Perspektiven ausgespuckt. Das Rathaus könnte man jeden Tag zu jeder Jahreszeit fotografieren, es bleibt immer gleich. Die Begegnungen der Menschen auf dem Marienplatz vor dem Rathaus jedoch sind einmalig. Immer, wenn ich nun unruhig werde, weil mir die fotografische Praxis fehlt und sonst gerade kein Projekt ansteht, packe ich meine sieben Fotosachen und fahre in die Stadt. So auch letzte Woche. Insgesamt verbrachte ich in der Fußgängerzone an einem Nachmittag gute fünf Stunden. Tatsächlich könnte man die Strecke zu Fuß auch in unter 20 Minuten schaffen, doch zum Beobachten von Menschen braucht man Zeit. Viel Zeit. _DSC6253 _DSC6258 _DSC6276 _DSC6290 _DSC6191 DSC_2218 (Ja richtig gesehen! Das sind natürlich Berliner Regenschirme)