Mein Jahr 2014

  Weihnachten ist vorbei. Silvester steht vor der Tür. Manche sagen, Silvester sei das am meisten überbewertete Fest des Jahres. Warum, das ist eher zweitrangig. Entscheidend ist, dass diese Menschen, zu denen auch ich gehöre, die Jahreswende und die damit verbundenen Feierlichkeiten lieber auslassen würden. Mein Unwohlsein wird größtenteils aus meinen Erfahrungen mit diesem Tag gespeist: Seit ich das erste mal Silvester an einem anderen Ort als zu Hause feierte, war selten ein Jahr dabei, in dem ich den Abend wirklich genießen konnte. In der Vorbereitung war ich wie alle meine Freunde damit beschäftigt, die beste Alternative aus den vielen Möglichkeiten zu picken. War das endlich geschafft, blieb ein fader Nachgeschmack zurück, hätte es anders doch besser werden können. Die Abende selbst waren davon geprägt, dass ich mich zu intensiv an der Feuerzangenbowle oder am heißen Caipi bediente, um aus den müden Zeremonien zumindest in meiner Wahrnehmung einen gelungenen Abend zu machen. Das klappte höchstens bis zum nächsten Morgen. Je näher der Tag rückt, desto intensiver blicke ich auf die Ereignisse meines Jahres zurück. Leider hinterlassen die schmerzhaften Erfahrungen tiefere Spuren, als die beglückenden. Um aus den vergangenen 12 Monaten ein nachhaltig gelungenes Jahr zu machen, richte ich meine Gedanken konkret auf das, was mir in diesem Jahr besonders gut gelang. JANUAR Der Tatendrang kribbelt in meinen Fingern. Aus einer spontanen Nachmittagsaktion entsteht eines meiner ersten Bilder in 2014 und es soll bis heute mein Lieblingsbild bleiben. Ich verbinde sehr viel damit, enthält es doch genau das, was Fotografie für mich bedeutet. Die Reaktionen darauf zeigen mir: Es ist das vielleicht beste Bild, das ich jemals fotografiert habe. _DSC5661 FEBRUAR Prüfungszeit. Außerdem bereite ich eine Studienreise nach China vor. Immerhin unternehme ich zwei lange Stadtspaziergänge durch Schwabing und Maxvorstadt. Ich übe mich in unbemerktem Fotografieren von Passanten. Keine leichte Aufgabe und die Ergebnisse sind größtenteils eher mau. Bis zu diesem Moment: _DSC6253 MÄRZ Die zehn Tage in Beijing und Shanghai gehören zu den Momenten, die mich in 2014 am meisten beeindruckten. Obwohl ich mir nie vorstellen konnte, mehr als ein paar Wochen in Asien zu verbringen, beschließe ich auf dem Rückflug, dass ich wiederkommen werde. Für länger. Ende März verbringe ich einen ganzen Tag mit Pauline am Starnberger See. Mein Lieblingsaufnahmetag aus diesem Jahr. _DSC6557-3 APRIL Ende April lege ich das erste Mal mehr als 200 Kilometer für einen Aufnahmetag zurück. Ich besuche Christina in Freilassing. Ergebnis langer Gespräche bis tief in die Nacht und eines kalten nächsten Tags: Ein Bild, über das immer diskutiert wird, sobald ich es zeige. Christina lehrt mich, dass Menschen in Fotografien ihre eigenen Erinnerungen und Gefühle projizieren und daher sehr unterschiedliche Dinge wahrnehmen. DSC_8274 MAI Mit Severin gelingt mir das, was ich mit Christina schon versucht hatte: Wir verbinden Portrait, Umgebung und Sprache des Bildes mit seiner Persönlichkeit. _DSC8681 JUNI Ich befinde mich in der letzten heißen Phase meines Studiums. Zum Fotografieren bleibt wenig Zeit, dafür habe ich sehr viel Freude am meiner Abschlussarbeit: “Process analysis of shelf filling activities in bricks-and-mortar grocery retail stores.” Den Logistikern unter Euch könnte das etwas sagen. Es hat sehr viel mit Statistik zu tun. JULI Ich bereite mich mental auf meine große Reise von München nach Venedig vor. Bis Anfang Juli habe ich noch nicht viele Gedanken daran verschwendet. Erst jetzt packt mich so richtig die Vorfreude. Außerdem ergattere ich ein Praktikum in China. Ab März 2015 werde ich 6 Monate in Shenyang arbeiten. Fotografisch tut sich auch noch etwas: Meinem Bruder fällt ein großer Stein vom Herzen. Wir machen ein besonderes Portrait daraus. _DSC0109 AUGUST 555 Kilometer zu Fuß in Richtung Süden prägen mich für mein Leben. Ich lerne faszinierende Menschen kennen, die mir wiederum viel über mich selbst beibringen. Immer mehr gerate ich zu der Erkenntnis, dass Beobachten und Zuhören zwei der wichtigsten Dinge in meinem Leben sein sollten. Außerdem erfahre ich, was Offenheit bedeutet und wie wertvoll es sein kann, andere Menschen an den schönen und schmerzlichen Seiten meines Lebens teilhaben zu lassen. Um die Fehler der letzten Jahre nicht zu wiederholen, buche ich mit meinen neu gewonnenen Freunden für Silvester auf der Glungezer Hütte bei Innsbruck. 2014 wird für uns alle ein besonderes Jahr bleiben, soviel steht fest. Dem wollen wir damit ein kleines Hütchen aufsetzen. SEPTEMBER 3500 Reisefotos müssen erst sortiert werden, außerdem stehen schon wieder Prüfungen an. Das ist der Grund, warum ich mich nicht melde und mich manche im September schon für verschollen halten. OKTOBER Ich fotografiere meine erste Hochzeit. Für den Anfang, lief es sehr gut. Professioneller Hochzeitsfotograf werde ich aber sicher nicht. Auf diesem Gebiet gibt es einfach schon zu viele gute Profis (und weniger gute Knipser). Generell reift in mir die Abneigung gegen den Gedanken, mein Geld mit der Fotografie verdienen zu müssen. Ich liebe es, mich ungezwungen mit faszinierenden Menschen zu unterhalten und sie währenddessen zu portraitieren. Verlangte ich Geld dafür, erhielt das nicht nur einen bitteren Beigeschmack. Es würde sich auch niemand mit mir auf solche seelischen Abenteuerreisen begeben. Ende Oktober gewinne ich Magi für einen solchen Fotospaziergang. _DSC9927 NOVEMBER Ich halte insgesamt vier Vorträge über meine Reise im Sommer. Zwei in München für Familie und Freunde, zwei für Freunde und Interessierte in Ingolstadt und Eichstätt. Gemäß meinen Lehren aus der Reise (Offenheit) beschließe ich, die Abende mit sehr persönlichen Dingen zu füllen. Das euphorische Echo von Freunden und Unbekannten schenkt mir sehr viel Selbstvertrauen. Werbeplakat_Eichstätt DEZEMBER Ich eröffne meine erste eigene Ausstellung und widme den Vorbereitungen einen Großteil meiner Freizeit. Die Vernissage ist klein aber fein. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass mir diese Möglichkeit gegeben wird. Wieder überrascht mich das große Interesse meiner Freunde und Bekannten an meinen Arbeiten (ein Blogpost folgt bald). EIN FAZIT Gerade las ich diesen Jahresrückblick Korrektur. Am Ende des Dezembers begann ich wieder von vorn. In diesem Moment wurde mir bewusst, welch großer Unterschied zwischen dem Max von 2013 und dem Max von heute liegt. Die vielfältigen Ereignisse in 2014 prägten mich so intensiv, wie ich es vorher nicht für möglich hielt. Das Jahr ist noch nicht ganz zu ende, trotzdem kann ich schon sagen, es ist zu diesem Tag das wertvollste und wichtigste Jahr meines Lebens. Ich möchte es auf keinen Fall missen. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, würde ich 2014 gerne um ein paar Tage verlängern.