Mein Ort der Zukunft

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Ort der Ankunft. Pendler springen aus dem Zug, hetzen zum nächsten Gleis. Touristen steigen mit großen Augen auf den Bahnsteig hinab. Menschen kommen endlich nach Hause, fallen ihren Liebsten in die Arme.

Pärchen knutschen wehmütig. Freunde umarmen sich flüchtig. Touristen sitzen ungeduldig auf ihren gepackten Koffern. Pendler schauen fahrig auf die Uhr, hoffen auf den Anschlusszug in einer anderen Stadt. Manche werden nie wieder kommen. Ich schon. Er hat mich schon immer fasziniert. Ort des Abschieds.

Brezen duften. Tauben picken Krümel. Der Sitznachbar stinkt nach Bier vom Vortag. Räudige Köter kläffen. Alte Dieselmotoren lärmen. Metallisches Bremsenquietschen dringt ins Knochenmark. Durchsagen klirren in den Ohren. Elektrozüge schnurren. Ungeduldige treten auf meine Füße, schneiden mir mit ihren Koffern den Weg ab. Winterkälte pfeift um meine Beine.

Ich war schon so oft hier. Ich hastete zu meinem Zug während um mich herum alles in einem Strom aus Eindrücken verschwamm. In Gedanken vertieft und in die Ferne starrend stand ich anderen Reisenden im Weg herum. Wartend suchte ich am Bahnsteig nach Blicken, Symmetrien im Bahnhofsgebäude oder beobachtete Tauben. Auf der Jagd nach einem Plan. Auf der Suche nach Liebe oder nur nach etwas neuem. Getrieben von Ungeduld, Langeweile, Neugier, Pflichten oder dem Wunsch, endlich wieder zu Hause zu sein. Ich fühlte mich frei, zufrieden und manchmal auch kraftlos. Aber soweit ich mich erinnern kann, war eines stets gleich: Ich kam immer aus einem besonderen Grund hierher.

Ich mag ihn. Das große graue Ungetüm.

Mein Tor zur Welt.

Meinen Ort der Zukunft.

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