Sempu Island – Ein Tag im Paradies.

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Eigentlich sollte man – so lernt man es schon in der Schule – eine Argumentation immer mit dem schwächsten Argument beginnen und sich langsam zum Höhepunkt vortasten. Ich finde, das gilt auch für Reiseberichte. Leider ist Indonesien aber voller Lieblingsmomente, Kuriositäten und Besonderheiten. Es fällt mir schon schwer aus den vielen unvergesslichen Eindrücken die besten auszuwählen, über die ich hier schreiben möchte. Unter diesen auch noch eine Reihenfolge zu bilden, ist unmöglich. Der Tag auf Sempu Island gehört auf jeden Fall in die Kategorie “Lieblingstage”.

Man könnte also meinen, ich habe Fotografien aus einem Reisekatalog gestohlen. Oder ich wäre im Paradies selbst gewesen. Ich konnte mir jedenfalls vorher nicht vorstellen, dass solche Orte auf Erden tatsächlich existieren. Selten blättere ich durch Angebotskataloge von Reiseagenturen. Ich halte deren Bebilderung mit sehr ähnlichen Motiven für geschickte Marketingüberlistungsstrategien, um massenweise Touristen in bereits urbanisiertes Gebiet zu schleusen. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich vermute, dass man an den beworbenen Orten nur selten auf paradiesische menschenleere Strände stößt. Für schwache Pauschalurlaubermägen war dieser Ausflug jedenfalls nichts: Gute zwei Stunden ruppige und kurvenreiche Autofahrt waren nötig, um an den Ausgangspunkt zu gelangen. Zum Glück hatte ich mich in China schon an erhöhtes Risiko auf Autofahrten gewöhnt. Von einem kleinen Fischerhafen setzten wir mit einem Kahn auf das andere Ufer über. Danach folgte ein schweißtreibender Marsch durch den Urwald. Mit Flippflopps an den Füßen und einer Zigarette in der legte unser Guide ein ordentliches Tempo vor. Rechts und links raschelten die Affen im Unterholz.

Nach etwa 40 Minuten blitzte das Azur der Lagune zwischen den Bäumen hindurch. Nicht nur ich unerfahrener Europäer, auch Yosa, mein indonesischer Reisebegleiter und Freund, konnte seinen Augen nicht mehr trauen. Nun zahlte es sich aus, dass wir den Marsch in der Mittagshitze über uns ergehen ließen: Lediglich zwei handvoll junge indonesische Burschen warteten im wenigen Schatten auf den Nachmittag, keine Westler weit und breit. Natürlich ließen wir uns ein Bad in dieser Badewanne des Himmels nicht entgehen.

Knappe drei Monate ist es her, dass ich meine Füße in den weißen Sand der Lagune drückte. In München ist es nun Herbst und meine Erinnerungen verblassen schon. Auf Sempu Island wird es niemals Herbst. Diese Orte sind so unterschiedlich. Hätte ich meine Fotos nicht, ich könnte Sempu Island nicht mehr beschreiben. Eines werde ich jedoch nicht vergessen: Das Gefühl von Ehrfurcht vor den Wundern der Natur, Freiheit und Staunen. Es war das selbe Gefühl, das mich sonst nur auf den Gipfeln der den Alpen erfasst.

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