Sich selbst wiedererkennen.

_DSC4818   Lange haben wir das Fotoshooting geplant und siehe da, es hat tatsächlich geklappt. Am letzten Wochenende war ich in München zu Besuch und Pauline schenkte mir Ihren Sonntagnachmittag. Es wurde mir erst hinterher bewusst, wie sehr sie mit den Antworten auf meine Fragen zur Vorbereitung auf unser Treffen meine Auffassung von Portraitfotografie mit einem Satz beeinflusst hat:

“Ich würde mich freuen wenn ich ‘mich’ auf den Fotos wiedererkenne.”

Mir war nicht ganz klar, was sie damit meinte und wie ein Foto auszusehen hat, auf dem sie sich wiedererkennt. Darauf angesprochen, konnte sie mir auch keine eindeutige Antwort geben. Sicher war für sie jedoch, ein Portrait von ihr solle möglichst natürlich sein und vor allem kein künstliches Lachen zeigen. Mit dem Wort “natürlich” waren wir der Wahrheit schon einen Schritt entgegengekommen. Der Duden liefert als Synonyme unter Anderen “unverkrampft” und “ungekünstelt”, die auch meiner Meinung nach ein gutes Portrait besser beschreiben. In letzter Zeit begegnen mir auf diversen Internetplattformen oder in sozialen Netzwerken immer öfter Portraits, die auf mich sehr gestellt wirken. Das mag zum einen daran liegen, dass ich in letzter Zeit sehr auf die Wirkung eines Bildes achte. Aber andererseits besitzen auch viele Menschen eine Kamera und es werden täglich mehr, die damit im Urlaub am Lieblingsbadestrand oder zu Hause vor dem Badezimmerspiegel herumwedeln. Die dabei entstehenden Schnappschüsse mögen nicht schlecht sein und auf jeden Fall ein gutes Andenken, sie sind jedoch meiner Meinung nach nicht gut genug für ein öffentliches Fotoalbum. Ich stehe sicherlich noch am Anfang meiner fotografischen Entwicklung. Für den Moment ist Portraitfotografie für mich zum großen Teil eine Begegnung zwischen zwei (oder mehreren) Menschen, bei der vor allem ich noch viel lernen kann. Meine Aufgabe in der Begegnung mit Pauline bestand nun darin, die “echte Pauline” aus ihr herauszulocken. Ob mir das gelungen ist, kann und möchte ich nicht beurteilen, denn ich bin als Fotograf automatisch befangen in meiner Urteilsfähigkeit. Ich denke, das wird sie selbst tun und darüber hinaus alle Menschen, die sie gut kennen und die diese Portraits zu sehen bekommen. Hoffentlich erkennen sie die wahre Pauline wieder. _DSC4991 _DSC4949 _DSC4926 _DSC4928