Tag in der Stadt im Meer – Venedig Teil 2

  _DSC4412-Bearbeitet Fortsetzung von “Morgen in der Stadt im Meer – Venedig Teil 1”. [Auch wenn der erste Eintrag der Serie schon einige Zeit online steht und mein Besuch in Venedig schon etwas länger her ist ist, möchte ich meine Eindrücke der Sommertage in Venedig gerne mit euch teilen.] Kaum hat die Müllabfuhr den stinkenden Müll beseitigt, wird es laut. Die Touristen sind nun fertig mit ihrem Vormittagskaffee. Auf den Hauptstraßen beginnt das lärmende Treiben einer Stadt, die sich gänzlich den Besuchern aus aller Herren Länder verschrieben hat. Ich laufe ziellos durch die  Gassen, lasse mich vom Strom der Menschen treiben. Unversehens finde ich mich am Markusplatz wieder. Nicht zum ersten Mal fällt mir auf, dass dieser Platz eine ganz besondere Atmosphäre besitzt. Im Gegensatz zu den engen Gässchen und Brücken kann ich meine Arme von mir strecken, ohne andere Menschen zu berühren. Die aufgeregten Stimmen werden nicht von den Wänden zurückgeworfen, sie verklingen im weiten Raum. Ich fühle mich wohl. Aus dem Schatten der Bogengänge heraus schaue ich den Touristen zu. Es herrscht keine Hektik. Sie beobachten, füttern Tauben, lauschen der Musik der Musikkapellen vor den drei bekanntesten Cafés der Stadt und fotografieren (hauptsächlich die Tauben oder sich selbst). Insgesamt fünf Stunden verbringe ich an diesem zentralen Ort der Stadt. Wäre ich ein Regisseur oder Dramaturg, ich hätte eine Quelle an unerschöpflicher Inspiration gefunden. So genieße ich eben als Zuschauer die Aufführung eines Meisterstücks menschlicher Begegungen mit internationaler Besetzung. Nur leider besitze ich nicht genügend Geld, um mich unbegrenzt lange an diesem sündhaft teuren Ort niederzulassen. _DSC4781 _DSC4906 _DSC4690   _DSC4961 _DSC4913 _DSC4694 _DSC4487 _DSC5766 Etwas abseits der Hauptstraßen treffe ich schnell auf Einheimische. Sie kennen den Weg um den Touristenstrom herum. Und sie kennen auch die ruhigen Ecken Venedigs, die Orte, wo sich nur wenige Auswertige hin verirren. Man mag es kaum glauben, aber nur wenige Meter vom Gequetsche auf der Rialtobrücke entfernt bietet sich dem fündigen Entdecker ein einsamer Blick auf den Canal Grande und die bekannteste Brücke Europas. Auf diesen Steg, der über kleine Gässchen zwischen Wohnbauten hindurch aufs Wasser hinaus führt, haben sich nur ein Maler und ein Fischreiher platziert. Einige Koreaner schippern in venezianischen Gondeln vorbei. Ein Akkordeon summt, ein kleiner Italiener schmettert inbrünstig die letzten Töne eines italienischen Schlagers. Die Koreaner klatschen artig, knipsen Selfies und filmen. In der Nachmittagshitze lasse ich mich zurücktreiben zu meinem Hostel. Auf dem Weg dorthin merke ich deutlich, wie sehr meine Sinne mit jedem Schritt weiter ermatten. So schön die Kulisse auch sein mag, die Masse an Menschen und die fülle an Ereignissen darin machen den Tag zur Herausforderung für Geist und Körper. _DSC5555 _DSC4540