Unter Menschen in Anshan

_DSC3911 45 Minuten mit dem Schnellzug von Shenhyang liegt Anshan. Dass die Stadt im Vergleich ein Kuhdorf ist, merkt man daran, dass der Schnellbahnhof eben nur vier Gleise hat und nicht 20. Außerdem stiegen aus dem Zug an diesem frühen Vormittag des 1. Mai nur wenige Menschen aus. Und das an einem Feiertag. Trotzdem ist war die Bahnhofshalle und der Vorplatz gefühlt so groß wie das Terminal zwei am Münchner Flughafen. Wenn man in China nur immer so viel Platz hätte, wie hier.  Doch das Bild trügt. Wer an einem langen Wochenende im Reich der Mitte verreist, der sollte eigentlich wissen, worauf er sich einlässt. Als wir uns nach guten eineinviertel Stunden Verkehrschaos endlich aus den wunderhübschen aber leider gefälschten Louis-Vuitton-Sitzbezügen unseres Taxis schälen durften, sah das Landschaftsbild etwas anders aus. Menschen, Menschen, Menschen und noch mehr Menschen. Dazwischen Autos soweit das Auge reichte. Wir befanden uns nun am Fuß des Qianshan, dem heiligen Berg, und anscheinend wollten nicht nur wir ganz oben hinauf. Das erste Stück den Hügel hinauf bis zu einer großen Weggabelung marschierten die Massen gemeinsam in einer unterbrechungsfreien Kette. Alle paar Minuten raste von hinten oder von vorne ein Bus auf uns zu. Die Menge trennte sich und schwappte hinter ihm wieder zusammen. Ein wunder, dass niemand überfahren wurde. Aber das ist China. Irgendwie passen doch alle aufeinander auf, auch wenn es nicht danach aussieht. Weiter oben gabelte sich die Straße. Wir entschieden uns für die “Buddha Scenic Area”. Nach einem kräftigen Anstieg erreichten wir einen Tempel, der tatsächlich von Mönchen bewohnt und betrieben wird. Sie bringen den Touristen das beten bei. Ich fragte mich, wie das Leben hier im Winter aussieht, wenn keine Menschenseele den Weg dorthin findet. Wir verweilten und sahen dem verrückten treiben zu. In regelmäßigen Abständen kamen junge Chinesen vorbei und wollten mit uns Fotos machen. Wir versuchten, unsere Brotzeit (bestehend aus deutschem Räucherspeck, deutschem Brot und chinesischem Bier) trotzdem zu genießen. Die Sonne brannte immer noch vom Himmel und ich war sehr froh darüber, einen Strohhut für 25 Kröten erstanden zu haben. Auch wenn ich damit aussah, wie ein amerikanischer Supertourist. Ein Strohhut kombiniert mit einer kurzen Sporthose und Turnschuhen war eine der kleineren Modesünden, die ich an diesem Tag zu Gesicht bekam Die Zeit drängte, unser Zug nach Dalian ging schon am frühen Abend. Deshalb entschieden wir uns für den Rückmarsch im Laufschritt. In guter deutscher Manier kamen wir so auch knappe 2 Stunden zu früh zurück. Die wichtigste Lektion des Nachmittags: Man sollte sich in China auf nichts verlassen, nicht einmal auf das todsichere Verkehrschaos an einem Feiertag. _DSC3980 _DSC3925 _DSC3926 _DSC3923 _DSC3944 _DSC3982