Warten was kommt.

“Warum fotografierst du?” – Eine interessante Frage. Wer an einer Antwort interessiert ist, kann Sie in meiner Selbstbeschreibung nachlesen. Die Antwort hängt jedenfalls eng mit der Frage “Warum fotografierst du das, was du fotografierst?” zusammen. Bisher habe ich in Landschaftsportraits oder auf Schnappschüssen von Menschen Situationen festgehalten. Das finde ich nicht mehr sehr spektakulär. Jeder, der sich gut mit seiner Kamera auskennt, kann das. Ich hatte aber schon immer einen hohen Anspruch an mich selbst und so ist es nicht verwunderlich, dass technisch korrektes Situationen festhalten nicht das Ende meiner Fotografenleiter bleiben soll. Zurück zur Frage nach den Inhalten meiner Bilder. In ferner Zukunft möchte ich einmal dorthin, wo zum Beispiel der Stilpirat (ein bekannter Fotograf, dessen Blog mich in der letzten Woche zutiefst berührt und inspiriert hat) schon angekommen ist. Zweifelsohne ein sehr hoch gestecktes Ziel und Du wirst womöglich den Kopf darüber schütteln: “Junge, jetzt bleib aber mal am Boden!”. Doch genau das fällt mir in letzter Zeit zunehmend schwer. Fotografieren beflügelt mich und vor allem meine Gedanken. Das merke ich vor allem in den Vorlesungen in der Uni, in denen ich mich nicht auf die Inhalte konzentrieren kann, sondern stattdessen lieber auf Motivsuche gehe und nur auf das Ende der Veranstaltung warte, damit ich mich wieder meinem Hobby widmen kann. An einem Thema, das mir schon länger im Kopf herumgespukt war, konnte ich mich letzte Woche versuchen. Nimm Dir eine Minute Zeit für das folgende Bild. DSC_4168 Mich würde interessieren, was Du Dir beim Betrachten gedacht hast. Was war dein erster Gedanke? Was ist Dir aufgefallen? Was meinst Du, möchten wir mit diesem Bild ausdrücken? Welche Gefühle löst das Bild bei Dir aus? Hast Du vielleicht eine kurze Interpretation parat? Ich würde mich über eine Antwort freuen. Nutze hierzu bitte das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion. “Warum fotografierst du das, was du fotografierst?” – An diesem Bild wird die Antwort ein Stück deutlicher. Ich habe Ideen für Motive im Kopf, die nicht nur schön zum ansehen sind. Ich möchte mit meinen Portraits ein  Stück der Persönlichkeit des Menschen darstellen, den ich portraitiere. Das geht natürlich nicht, ohne dass ich mir in Vorbereitung auf das Fotoshooting selbst und dem Portraitierten eine Menge Fragen stelle. Die Fragen, die dabei enstehen, will ich nicht restlos beantworten, sondern an den Betrachter der Bilder weitergeben. Josepha (so möchte die Dame auf dem Bild in diesem Blog genannt werden) und ich haben uns in der letzten Fotosession vor einer Woche diesem Thema gewidmet. Josepha hat den Tisch gedeckt, Kuchen gebacken und Tee gekocht. Sie hat Blumen gepflückt und eine Kerze angezündet. Alles ist perfekt gerichtet. Nur der Gast ist nicht gekommen, sie isst ihren Kuchen alleine und wartet. Fragen, die wir mit diesem Bild provozieren wollten, sind: Warum hat sie den Tisch so schön gedeckt? Wer sollte auf dem Stuhl sitzen? Warum ist sie alleine? Wartet sie auf einen Gast, der sie versetzt hat? Wie fühlt sie sich jetzt? Enttäuscht? Alleingelassen? Was denkt sie? Ich werde Josepha nach Ihrer Interpretation fragen. Wenn ich eine bekomme, die ich veröffentlichen darf, werde ich sie einstellen. Liebe Grüße, Max