Willkommen zurück im Paradies.

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Oh wie ich es genieße, draußen tief einzuatmen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Endlich riecht es nicht mehr nach Asche und Sand, verbranntem Plastik, faulen Eiern oder Todeswurst sondern nach Bäumen, nasser Wiese und zur Mittagszeit hier und da nach Blaukraut und Schweinebraten. Seit einer Woche bin ich nun zurück. Ein wenig überraschend ist es schon was mir nun im vergleich zu vorher so alles ins Auge fällt.

Heute Nachmittag war ich auf Nach-China-Vergleichs-und-Entdeckungstour mit dem Fahrrad in München unterwegs. Als ich vom Olympiaberg auf Münchens Dächer blickte, kamen mir diese Gedanken:

1.  Mein lieber Schieber kann man weit sehen. Unglaublich wie klar die Luft hier ist.

2. Kaum zu glauben, dass das der Münchner Westen sein soll. Ich sehe nur Bäume. War die Stadt letztes Jahr auch schon so grün?

3. Das soll die drittgrößte Stadt Deutschlands sein? Eigentlich ist sie doch nichts weiter als ein Dorf in einem Zwergstaat. Aber zum Glück eines der lebenswertesten Millionendörfer auf diesem Planeten.

Dazu genoss ich die Ruhe inmitten der Stadt. Kein Motorrollergetöse, kein Autohupen, keine Dauerbeschallung aus Megafonen, Lautsprechern oder Marktschreiern weit und breit. Dafür leises Stimmengewirr, Vogelzwitschern und Windrauschen in meinen Ohren. Wie  erholsam.

Ich könnte diese Liste an Sinneseindrücken noch sehr lange fortsetzen. Ich könnte auch über Dinge sprechen, wie das Sicherheitsgefühl auf öffentlichen Plätzen, Sozialversicherungssysteme und Rechtssicherheit, Krankenversorgung, öffentliche Ordnung, Bildungssysteme, Sauberkeit, gesellschaftliche Normen und Werte oder das Bild von Deutschland in der Welt. Dann könnte ich aber genauso gut einen tausendseitigen Roman schreiben.

An dieser Stelle nur so viel: Je länger ich wieder hier bin und meine Erfahrungen der letzten Zeit mit meinen Eindrücken vergleiche, desto mehr bin ich überzeugt: Wenn die Welt eine große mehrstöckige Torte ist, dann leben wir auf der prachtvollen roten Kirsche auf einem riesigen Berg Sahne ganz oben in der Mitte.

Der Mensch will ja immer das, was er gerade nicht hat. Geht mir sehr oft auch nicht anders. Leider macht es aber nur selten über längere Zeit glücklich, wenn man sich diesen Versuchungen hingibt. Die Zeit in China hat mich etwas gelehrt, was mich jedes Mal aufs Neue erfreut und mich hoffentlich noch lange erfüllt: Dankbar sein für alles, was mir meine Heimat bietet.

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